Lernende kommen weiter als Wissende

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Eine der schnellsten Arten, Drama in sein Leben zu holen ist:

So zu tun als wüsste man etwas, wenn’s gar nicht so ist.

Wenn einem der Computer kaputt geht und man tut so, als wüsste man, wie man ihn repariert, statt sich professionelle Hilfe zu holen – das führt nur zu Frustration.

Wenn wir so tun als wüssten wir etwas, wenn es nicht so ist, dann untergraben wir unsere Bereitschaft zu lernen, schließen neue Lösungen aus und begrenzen schlicht unsere eigene Effektivität.

Das kann insbesondere dann eine Herausforderung sein, wenn wir als Expert*in unterwegs sind, sei es beruflich oder privat.

Wie David Emerald oft im Coaching mit Experten sagt:

„Die gute Nachricht ist: Sie wissen wovon sie reden.

Die schlechte Nachricht ist: Sie wissen, wovon sie reden.“

In den meisten Schulen wird uns beigebracht, dass es eine richtige und eine falsche Antwort auf die Fragen gibt und dass wir die richtige ‚wissen‘ müssen. Manche Berufe haben klare Gesetze, was richtig und was falsch ist und Karriere macht, wer diese Gesetze am Besten ‚weiß‘.

Viele Organisationen belohnen Wissen und Wissende – und wundern sich dann, dass Ihre Kultur wenig Innovation und neue Ideen produziert.

Wenn wir mit statischem Wissen arbeiten, dann müssen wir unser Wissen ständig mit dem Wissen anderer vergleichen und messen. Sobald die Vergleiche laufen, müssen Standpunkte verteidigt werden, um das richtigste Wissen zu finden. Unterhaltungen können persönlich werden und plötzlich dreht sich alles darum, wie viel jemand weiß (oder denkt, zu wissen).

Spätestens hier sind wir fest im Drama-Dreieck angelangt.

Und es ist ironisch: Wahrscheinlich wissen wir in der Situation gar nicht, dass unser Bedürfnis, als Experte dazustehen, die Quelle des Dramas ist.

In den folgenden Unterhaltungen verteidigen wir unseren Standpunkt und treten sogar als Schurk*in auf, indem wir andere verurteilen, die den eigenen Standpunkt nicht teilen. Aus Interaktionen werden Debatten und unser Standpunkt und unser Wissen wird für uns zur Wahrheit, die die anderen (unverständlich! nervig! frustrierend!) einfach (noch) nicht sehen.

Wenn man in der Haltung der Wissenden steckt, dann ist das für uns selbst vielleicht komfortabel. Für die um uns herum (Kollegen, Mitarbeiter*innen, Famile, Freund*innen) kann es aber sehr schnell frustrierend werden. Der Geist wird faul und wir wiederholen einfach immer wieder das, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Ohne es zu merken haben wir uns eine Kiste gebaut, deren Wände unsere Erfahrung ist. So begrenzen wir uns, verlernen, neue Ansätze und Denkweisen zu lernen und stranden „in der Box“.

Die Haltung der Gestalter*innen (die Basis des Empowerment Dreiecks) ist das Gegengift für dieses Problem und die Quelle für den Shift zum Lernenden.

Dazu bedarf es aber der Bereitschaft, zu zu lassen, dass man „nicht weiß“. Und das ist für Wissende nicht einfach.

Wenn wir uns vom Wissenden zum Lernenden entwickeln, fühlt sich das erstmal unangenehm an, denn wir bewegen uns ausserhalb unserer comfort zone. Je mehr wir uns daran gewöhnen und wir diese Haltung üben, desto mehr Spaß, Freude und Erfolg wird sich aber einstellen – vor allem mehr, als als Wissende*r je möglich gewesen wäre. Ausserdem werden wir viel effektiver, schließlich haben wir so Zugang zu Lösungen außerhalb der Grenzen unseres aktuellen Wissensschatzes.

Hier sind die Schritte, um vom Wissenden zum Lernenden zu werden:

  • Verkünden Sie (vor sich und der Welt), dass sie ein Lerner sind. Üben Sie, auszusprechen: „Das weiß ich nicht.“. Allein diese Aussage öffnet sie schon für neue Perspektiven und Ideen.
  • Lernen Sie etwas in einem Bereich, in dem sie nicht wissen. Ein neues Hobby, eine neue Sprache, Motorrad Fahren – irgendwas, das interessant und neu ist und Lernen forciert.
  • Bitten Sie um Hilfe! Nehmen Sie sich einen Coach, finden Sie eine Lehrerin oder einen Kurs – so institutionalisieren Sie Lernen in Ihrem Leben.

Der Shift vom Wissenden zum Lernenden ist nicht einfach. Aber diese neue Haltung bringt Neues, Innovatives, Kreatives – und nicht zuletzt auch Spaß und Lebenslust.

Der Artikel ist im Original erschienen unter https://3vitalquestions.com/shift-from-a-knower-mind-to-a-learners-mind/ – (c) Donna Zajonc und David Emerald. Übersetzt von Holger Heinze, zertifizierter 3VQ/Ted Trainer und Coach.

Über den Autor

Holger Heinze ist zertifizierter 3VQ/TED* – Trainer und Coach, ausgebildeter Holacracy Coach, Chartered Manager und Fellow des Chartered Management Institute. Seit 1999 arbeitet er mit Teams und Führungskräften an Kultur, Beziehungen, Geschäftsmodellen und Prozessen.

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